Warmwasserbereitung: Formen, Vor- & Nachteile

Ob duschen, spülen oder kochen: Warmwasser ist mittlerweile der Standard in einem deutschen Haushalt. Dabei gibt es mehrere Möglichkeiten der Warmwasserbereitung, die alle ihre individuellen Vor- und Nachteile haben.

Warmwasserbereitung mit einem elektronischen Durchlauferhitzer

Eine der gängigsten Methoden, um Wasser zu erwärmen, ist ein elektronischer Durchlauferhitzer. Dieser erhitzt das Wasser in dem Moment, wenn es aus der Leitung entnommen wird. Der Durchlauferhitzer wird mittels Strom betrieben und muss eine hohe Hitzeleistung aufbringen, damit das Wasser gleichmäßig warm gemacht wird. Der Durchlauferhitzer, der zur Warmwasserbereitung im Haushalt genutzt werden kann, hat dabei eine ganze Reihe von Vorteilen. Der Durchlauferhitzer verfügt über keinen Speicher von Warmwasser, weil es direkt erhitzt wird, wenn es aus der Leitung läuft. Dies hat den Vorteil, dass der Energieverbrauch gut geregelt werden kann: Wird das Wasser nicht angedreht, läuft der Durchlauferhitzer nicht. Bei einer Nichtnutzung treten dementsprechend auch keine Energieverluste auf.

Da ein Durchlauferhitzer nahe beim Ende der Leitung installiert ist, geht auch der Wärmeverlust in der Leitung nicht besonders hoch. De facto ist das Warmwasser ebenfalls unbegrenzt verfügbar, so lange die Leitung läuft. Auch die kompakte Bauform eines Durchlauferhitzers überzeugt, denn diese nimmt nicht viel Platz weg – im Gegensatz zu einem Boiler. Das plötzliche Erhitzen des Wassers sorgt auch dafür, das sich Legionellen nicht in den Leitungen wohlfühlen. Zu den Schwächen zählt die schlechte Regelbarkeit eines Durchlauferhitzers. Einige ungeregelte Geräte pumpen plötzlich kaltes Wasser durch. Außerdem ist der Wasserverbrauch höher, da es zunächst einige Zeit braucht, bis das Wasser von kalt auf warm erhitzt ist. Die größte Schwäche ist der recht hohe Primärenergieverbrauch: Energie wird erst in Strom umgewandelt, der dann schließlich im Durchlauferhitzer Wasser erwärmt.

 

Eine andere Form der Warmwasserbereitung sind Warmwasserspeicher, auch Boiler genannt und Kochendwasserspeicher. (#01)

Eine andere Form der Warmwasserbereitung sind Warmwasserspeicher, auch Boiler genannt und Kochendwasserspeicher. (#01)

Warmwasserspeicher und Kochendwasserspeicher: Unterschiede

Eine andere Form der Warmwasserbereitung sind Warmwasserspeicher, auch Boiler genannt und Kochendwasserspeicher. Diese sogenannten Kochendwasserspeicher halten jederzeit heißes Wasser bereit, das dann in der Mischbatterie auf die gewünschte Hitze reguliert werden muss. Solche Geräte gibt es eigentlich kaum noch im Haushalt, sondern vermehrt in Küchen oder in sanitären Einrichtungen, wo kochendes Wasser gebraucht wird. Solche Kochendwasserspeicher sind in der Regel auch zu klein, um einen ganzen Haushalt mit Warmwasser versorgen zu können. In der Regel werden solche Geräte mit einem Fassungsvermögen von fünf bis zehn Litern ausgestattet.

Wesentlich gängiger ist hingegen die Installation eines Boilers. Einen Warmwasserboiler gibt es in mehreren Größen, dieser kann zwischen fünf und 120 Litern eine Vielzahl an Füllmenge aufnehmen – das hängt von der Bauart des Geräts ab. Mit einem Boiler kann ein ganzer Haushalt mit Warmwasser versorgt werden. Der nächste Absatz stellt die Vor- und Nachteile eines Warmwasserspeichers genauer dar und setzt diese auch in Bezug zu den Stärken und Schwächen eines Durchlauferhitzers.
Boiler: Vor- und Nachteile

Ein ganz klarer Vorteil eines Boilers ist seine Flexibilität: Das Gerät kann überall installiert werden und ganz normal am Hausstrom angeschlossen werden, um das Wasser zu erhitzen. Das hat den Vorteil, dass auch vorübergehende Duschmöglichkeiten – beispielsweise bei der Sanierung des Bades oder Ähnlichem – schnell und einfach mit warmem Wasser versorgt werden können. Ebenso einfach, wie das Gerät aufgebaut ist, ebenso einfach ist es wieder abgebaut. Ferner sorgt ein Boiler wirklich jederzeit für warmes Wasser und gerade Sparbewusste können vom Nachtstrom profitieren. Wer seinen Boiler nachts aufheizen möchte, der kann den Regler einfach nach oben drehen. Dank der Isolierung bleibt das Wasser am Tag warm und kann in der Nacht wieder aufgeheizt werden. Doch ein Boiler hat nicht nur Vorteile: So ist der Stromverbrauch relativ hoch.

Das Gerät versucht, das Wasser immer auf der Temperatur der eingestellten Hitze zu behalten. Während beim Durchlauferhitzer nur das Wasser erwärmt wird, das auch wirklich aus der Leitung gelassen wird, hält ein Boiler immer eine bestimmte Menge Wasser vor. Die bestimmte Menge Wasser hat ebenfalls einen Nachteil: Wer als Familie mehrere Badewannenfüllungen hintereinander genießen möchte, hat es oftmals nicht leicht. Ist das Warmwasser des Boilers verbraucht, dauert es einige Zeit, bis das neu eingefüllte Wasser wieder auf die entsprechende Temperatur kommt. Auch das ist beim Durchlauferhitzer anders. Ein wesentlicher Nachteil eines lokalen Warmwasserspeichers besteht auch darin, dass dieser enorm Platz einnimmt. Wenn ein Boiler mit 120 Liter Fassungsvermögen im Bad steht, wird der Raum um einiges kleiner.

Video:Projekt Solaranlage zur Warmwasseraufbereitung und Heizungsunterstützung sowie Pufferspeicher .mp4

Unterschiedliche Haushalte – unterschiedliche Geräte

Wer neu baut oder das Haus renoviert, steht oftmals vor der Frage, wie die Warmwasserbereitung künftig gestaltet werden soll. Viele Haushalte entscheiden sich hierbei für Kombimöglichkeiten, um breiter aufgestellt zu sein. Ein wesentlicher Aspekt sind auch die immer höher werdenden Energiekosten und die staatlichen Förderungen, die für den Einbau von Geräten zur Nutzung von alternativen bzw. erneuerbaren Energien bereitgestellt werden. Bevor jedoch eine individuelle Warmwasserbereitung-Kombination gewählt wird, sollten folgende Fragen beantwortet werden.

  • Wie groß ist die Familie und welchen Warmwasserverbrauch gab es bisher?
  • Wie hoch waren die Stromkosten bzw. der –verbrauch in kwh bisher?
  • Welche finanziellen Mittel stehen einmalig für den Einbau neuer Geräte zur Verfügung?
  • Wie sind die räumlichen Gegebenheiten?
  • Wie funktioniert die Heizung? Kann hier etwas angeflanscht werden?

Sind diese Fragen beantwortet, fällt es wesentlich leichter, die eigene Warmwasserbereitung zu planen. Übergangsweise ist ein Boiler oder ein Durchlauferhitzer eine gute Möglichkeit, um schnell an warmes Wasser zu gelangen. Aufgrund der hohen Energiekosten ist es eine Überlegung wert, einmal solar betriebene Technik anzusehen. Macht die Installation von Photovoltaik vielleicht Sinn, um besonders bei Sonnenschein von „grünem“ Warmwasser zu profitieren?

Video:Antrag stellen auf Warmwassererzeugung in Hartz IV Haushalten…

Energieverbrauch minimieren: Warmwasseraufbereitung

Immer mehr Haushalte entscheiden sich außerdem, Synergien zu nutzen. Das heißt nicht nur, dass mehrere Häuser an einem Heizkreis der Fernwärme angeschlossen sind, sondern dass sie sich auch bei der Warmwasserbeteiligung auf eine zentrale Variante einigen. Bei dieser zentralen Brauchwasseraufbereitung wird kaltes Wasser über eine Heizanlage aufgewärmt. Ein Netz von Leitungen verbindet mehrere Entnahmestellen, also verschiedene Haushalte, die dieses Warmwasser nutzen können. Erhitzt wird das Wasser entweder mit fossilen Brennstoffen wie Öl oder Gas, aber auch alternative Heizkessel, die mit Holzpellets erhitzt werden, gibt es mittlerweile. Viele zentrale Wasseraufbereitungsanlagen werden auch durch die Abwärme von Kraftwerken, beispielsweise Biogasanlagen, erwärmt, was eine effiziente Nutzung der Abwärme garantiert.

Durch Leitungen aus Edelstahl oder Kupfer wird das Warmwasser zu den einzelnen Haushalten transportiert. Dies bringt jedoch einige Leitungsverluste mit sich, die nach und nach durch neue Materialien behoben werden sollen. Die zentrale Warmwasseraufbereitung hat den Vorteil, dass bereits vorhandene Wärme (beispielsweise die oben genannte Abwärme) zum Erhitzen von Wasser genutzt werden kann. Der Nebeneffekt eines Kraftwerkes wird also genutzt, um Wasser zu erwärmen, was sich besonders energieeffizient zeigt – anders als die dezentrale Warmwasseraufbereitung mit Boilern und Durchlauferhitzern. Hier wird Strom eigens dafür verwendet, Wasser zu erwärmen, was eine schlechte Energiebilanz mit sich bringt. Durch Heizkessel vor Ort kann die individuelle Wärme des Wassers aus der zentralen Warmwasseraufbereitung dann im Haushalt selbst noch einmal reguliert werden.

Warmwasserbereitung installieren: Vorab Bausubstanz beachten

In jedem Fall ist es wichtig, vor der Installation einer Warmwasserbereitung auch die Bausubstanz zu beachten. Ein Boiler zum Beispiel, welcher ein Fassungsvermögen von 120 Litern – also 120 Kilogramm – hat (und dazu kommt auch noch das Eigengewicht des Gerätes), kann nicht ohne Weiteres an jeder Wand installiert werden. Es ist in jedem Fall wichtig, vorab zu prüfen, ob die Wand bzw. die Bausubstanz dem gewünschten Gerät standhält. Einen Vorteil hat da der Durchlauferhitzer: Er kann bequem in der Wasserleitung zwischengeschaltet werden und ist nicht besonders schwer oder nimmt Platz weg.

Neben der Bausubstanz ist es auch wichtig, die Heizungsrohre zu betrachten: Wer ohnehin schon beim Renovieren ist, muss in jedem Fall prüfen, ob die Rohre ausgetauscht werden müssen. Bestimmte Warmwasserbereitungsgeräte bedürfen außerdem spezieller Rohre – es ist also in jedem Fall wichtig, vorab einen entsprechenden Fachbetrieb zu konsultieren und abzuwägen, was mit der Erneuerung der Warmwasserbereitung ebenfalls erneuert werden sollte oder sogar muss.

 

Es ist gar nicht so einfach, die beste Methode für die eigenen Bedürfnisse zu wählen. Ob Solarthermie, Anschluss an das Fern-Warmwassernetz, ein Durchlauferhitzer, ein Boiler oder vielleicht sogar ein eingebauter Kachelofen, der am Wärmekreis angeschlossen ist – die Möglichkeiten sind vielfältig. (#02)

Es ist gar nicht so einfach, die beste Methode für die eigenen Bedürfnisse zu wählen. Ob Solarthermie, Anschluss an das Fern-Warmwassernetz, ein Durchlauferhitzer, ein Boiler oder vielleicht sogar ein eingebauter Kachelofen, der am Wärmekreis angeschlossen ist – die Möglichkeiten sind vielfältig. (#02)

Die beste Methode für die eigenen Bedürfnisse wählen

Es ist gar nicht so einfach, die beste Methode für die eigenen Bedürfnisse zu wählen. Ob Solarthermie, Anschluss an das Fern-Warmwassernetz, ein Durchlauferhitzer, ein Boiler oder vielleicht sogar ein eingebauter Kachelofen, der am Wärmekreis angeschlossen ist – die Möglichkeiten sind vielfältig. In jedem Fall ist es sinnvoll, einmal die Förderbanken anzusprechen, ob es staatliche Förderungen für eine bestimmte Art von Warmwasserbereitung gibt. Immer wieder gibt es vonseiten der Bundesregierung bestimmte finanzielle Spritzen, um insbesondere alternative Energien und ihre Nutzung in den Privathaushalten zu fördern. Ein Preisvergleich hinsichtlich der Anschaffungskosten und der laufenden Kosten ist in jedem Fall ratsam. Hier ist es ein Rechenexempel, ob sich kurzfristig oder auf lange Sicht sparen lässt.

Wer ohnehin das eigene Haus baut oder am Renovieren ist, der denkt in der Regel langfristiger – und das ist auch gut so. Es ist damit zu rechnen, dass die Kosten für Energie auch in Zukunft weiter steigen werden, eine Problematik, die gerade bei der Warmwasserbereitung nicht in den Hinterkopf geraten darf. Unnötige Kostenfallen sollen aus diesem Grund von vornherein aus dem Weg geschaffen werden. Energie sparen wird vor allem in Zukunft einen immer größeren Stellenwert einnehmen. Wer sich über die verschiedenen Möglichkeiten der Warmwasserbereitung informieren möchte, hat die Option, mehrere Fachbetriebe zu konsultieren. Nur wer sich bei einem Unternehmen gut beraten und gut aufgehoben fühlt, kann guten Gewissens eine große Warmwasseranlage in das Haus bzw. die Wohnung einbauen lassen.


Bildnachweis:©Fotolia-Titelbild: Jürgen Hüls -#01: Aleksey Sergeychik-#02: Kzenon

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Über Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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