Wärmepumpe: Wieviel kw pro m²?

Niemand fragt mehr danach, ob umweltfreundliche Heizsysteme in einem Neubau oder im Rahmen einer Sanierung installiert werden sollen. Doch eine Frage taucht immer wieder auf: Wie viele kWh braucht man für einen m²?

Heizleistung berechnen: Wie viele kW pro m²?

Dass die Wärmepumpe umweltfreundlich ist, weiß inzwischen jeder. Nicht jeder weiß aber, wie viel Strom sie eigentlich braucht bzw. wie viele kW für einen m² Wohnraum benötigt werden, um diesen wohlig warmzuhalten.

Klar ist, dass die Heizung auf den Energiebedarf des Hauses selbst abgestimmt sein muss und dass auch weitere Faktoren in den Verbrauch mit hineinspielen:

  • Dämmstandard des Gebäudes
  • beheizte Fläche in m²
  • regionales Klima
  • Fußbodenheizung oder Heizkörper
  • individuelle Heizgewohnheiten

Video: Wärmepumpe: Funktion, Kosten & Förderung im Überblick | Energieheld-Whiteboard

Wie ist der Gesamtwärmebedarf im Haus?

Die Berechnung erfolgt in Deutschland nach der DIN EN 12831 für den Heizwärmebedarf des Gebäudes und der DIN 4708 für den Brauchwasserwärmebedarf.

Die Kenngröße der nachfolgenden Tabelle bezieht sich jeweils auf einen Quadratmeter Wohnfläche.

Wärmepumpe: Wie viele kW pro m²
Haustyp, Dämmungsgrad Wärmebedarf
In einem Passivhaus 0,015 kW/m²
In einem Neubau nach EnEV: 0,04 kW/m²
In einem Neubau mit Standardwärmedämmung: 0,06 kW/m²
In einem sanierten Altbau mit Wärmedämmung bzw.
In einem Neubau ohne Wärmedämmung:
0,08 kW/m²
Im Altbau ohne Wärmedämmung: 0,12 kW/m²

 

Die Gründe für diese Faktoren liegen auf der Hand: Ist es draußen dauerhaft kalt, wird drinnen mehr geheizt. In kalten Regionen wird die Heizung daher mehr Strom benötigen als in Regionen, in denen zumindest im Sommerhalbjahr nur noch Warmwasser aufbereitet werden muss.

Eine Fußbodenheizung verbraucht weniger Strom, weil sich die Wärme hier besser im gesamten Raum verteilt. Da diese ohnehin nach oben steigt, ist das Wärmegefühl stärker als bei einer punktuellen Beheizung von Fensterheizkörpern oder Radiatoren aus. Hinzu kommt, dass jemand, der es gern wohlig-warm hat, deutlich stärker heizt als jemand, der im Herzen eher ein Eisbär ist.

Wärmepumpen stellen keine kurzfristige Wärme zur Verfügung, sondern werden entsprechend konfiguriert, um langfristig Heizwärme zu erzeugen. Das bringt allerdings mit sich, dass die Dimensionierung der Heizung angepasst sein muss. Das heißt, es muss klar sein, wie viel kW Strom pro m² benötigt werden.

Wärmepumpen stellen keine kurzfristige Wärme zur Verfügung, sondern werden entsprechend konfiguriert, um langfristig Heizwärme zu erzeugen.  (Foto: Shutterstock- caifas  )

Wärmepumpen stellen keine kurzfristige Wärme zur Verfügung, sondern werden entsprechend konfiguriert, um langfristig Heizwärme zu erzeugen. (Foto: Shutterstock- caifas )

Wie wird die Größe der Wärmepumpe berechnet?

Ein Wohngebäude hat zum Beispiel eine zu beheizende Fläche von 120 m². Diese Fläche wird mit 100 Wh/m² multipliziert, um den jährlichen Wärmeverlust zu errechnen. Die Wasseraufbereitung wird mit 20 Prozent hinzugerechnet. Damit ergibt sich eine Rechnung von 12.000 kWh + 2.400 kWh = 14.400 kWh. Die Wärmepumpe muss demnach eine Heizleistung von 14 kW bringen.

Wie viel Kilowattstunden verbraucht die Wärmepumpe?

Nimmt man nun die Wärmepumpe, die eine Heizleistung von 14 kW hat, ergibt sich ein Verbrauch von ca. 7000 bis 8000 Kilowattstunden Strom im Jahr. Dieser kann reduziert werden, wenn zum Beispiel eine Photovoltaikanlage installiert wird, die für die Warmwasserbereitung zuständig ist oder die im Sommer per Pufferspeicher für die nötige Heizleistung sorgt.

Um nicht unnötig viel pro Jahr für den Strom zu bezahlen, empfiehlt sich ein regelmäßiger Vergleich der Stromanbieter bei Verivox.

Interessant ist, dass sich der Stromverbrauch je nach Typ der Wärmepumpe unterscheidet.

  • Bei einer Luftwärmepumpe liegt der Stromverbrauch bei ca. 800 kWh im Jahr.
  • Bei einer Erdwärmepumpe werden rund 550 kWh Strom pro Jahr verbraucht.
  • Die Wasser-Wärmepumpe benötigt am wenigsten Strom und zieht nur etwa 150 kWh.

Video: ZUSCHAUERFRAGEN: ALLES ÜBER DIE WÄRMEPUMPE

Welche konkreten Erfahrungen liegen zum Stromverbrauch der Wärmepumpe vor?

Die Berechnungen der Hersteller von Wärmepumpen sind die eine Sache: Doch wie sieht es in der Realität aus? Wird vielleicht doch mehr Strom im Jahr oder pro m² benötigt, als herstellerseitig angegeben? Ein Blick auf die Erfahrungen der Hausbesitzer offenbart die Antworten.

Stromverbrauch Wärmepumpe: Erfahrungen

Die allgemeinen Erfahrungen besagen, dass der Stromverbrauch meist noch über den Zahlen, die die Hersteller nennen, liegt. Auch wenn es im Sinne aller ist, ein umweltfreundliches Heizen mit der Wärmepumpe umzusetzen, so sind die Kosten doch häufig ein Ärgernis.

Schon bei der Auswahl der Wärmepumpe sollte daher berücksichtigt werden, wie hoch der Verbrauch an Strom sein wird, was sich wiederum daraus ergibt, wie viele m² zu beheizen sind. Die Kosten errechnen sich dann aus den Gebühren, die der Stromanbieter berechnet.

  • Bei einer Luftwärmepumpe zeigen die Erfahrungen, dass der Stromverbrauch bei durchschnittlich 2.150 kWh für die Heizung und bei 1.670 kWh für das Warmwasser liegt.
  • Die Erdwärmepumpe braucht erfahrungsgemäß ca. 1.500 kWh für die Heizung und 1.050 kWh für das Warmwasser.
  • Die Wasser-Wärmepumpe ist die sparsamste Wärmepumpenart und benötigt rund 1.250 kWh für die Heizung und nur 888 kWh für das Warmwasser.

Zugrunde gelegt ist diesem Erfahrungsvergleich eine jährliche Heizleistung von 10.000 kWh pro Jahr.

Rechenbeispiel:
In einem Altbau ohne Wärmedämmung mit einer Gesamtwohnfläche von 172 m² liegt der Gesamtwärmebedarf bei 172 m² x 0,12 kW/m² = 20,64 kW.

Es ist natürlich möglich, anhand einiger Zahlen den Verbrauch an Strom zu schätzen. ( Foto: Shutterstock-caifas )

Es ist natürlich möglich, anhand einiger Zahlen den Verbrauch an Strom zu schätzen. ( Foto: Shutterstock-caifas )

Wärmepumpe: Stromverbrauch berechnen

Es ist natürlich möglich, anhand einiger Zahlen den Verbrauch an Strom zu schätzen. Ein wichtiger Faktor dabei ist die Jahresarbeitszahl, die als JAZ abgekürzt wird. Je höher diese Zahl ist, desto effektiver ist die Wärmepumpe.

Anzustreben ist eine JAZ von mindestens 3,0. Doch die oben genannten Faktoren beeinflussen die Antwort auf die Frage, ob eine Wärmepumpenheizung viel oder wenig Strom verbraucht und ob sie eher energieeffizient ist oder nicht. Auch die Tatsache, dass in einer Familie sehr viel warmes Wasser verbraucht und damit wieder aufbereitet werden muss, spielt hier eine Rolle. Um eine Aussage über die Effizienz zu treffen, reicht eine Schätzung demnach nicht aus.

Formel: Um den Stromverbrauch zu berechnen, ist daher die Formel

JAZ x Heizstunden = Stromverbrauch pro Jahr

sinnvoller zu nutzen.

Rechnet man über ein Jahr hoch, wieviel Energie die Wärmepumpe an das Heiznetz abgibt und teilt diesen Wert durch die Energie, welche die Wärmepumpe in diesem Jahr verbraucht hat, dann erhält man die Jahresarbeitszahl, die JAZ. Dies ist die alles entscheidende Kennzahl einer Wärmepumpe.

Die nachfolgende Tabelle gibt typische Werte wieder.

Wärmepumpen-Typ JAZ für Heizung JAZ für Warmwasser
Luftwärmepumpe 2,8 2,4
Erdwärmepumpe 4,0 3,8
Wasser-Wärmepumpe 4,8 4,5

Viele Fragen und konkrete Antworten rund um den Stromverbrauch der Wärmepumpe

An dieser Stelle folgen noch einmal die wichtigsten Fragen rund um das Thema Stromverbrauch der Wärmepumpe und benötigte kW je m² auf einen Blick:

  1. Wie viel kWh verbraucht eine Wärmepumpe?

    Wie hoch der genaue Stromverbrauch ist, hängt davon ab, welche Dimensionierung die Wärmepumpe aufweist. Das heißt, dass die Leistung der Pumpe ausschlaggebend dafür ist, wie viel Strom für ihren Betrieb benötigt wird. Bei einer Leistung von 12 kW wird sich der jährliche Stromverbrauch bei ca. 6000 bis 6500 kWh einpegeln, wobei hier der Einfachheit halber von einer Wohnfläche von 100 m² ausgegangen wird.Bei einer Heizleistung von 14 kW hingegen erhöht sich der Stromverbrauch bereits auf ca. 7000 bis 8000 kWh pro Jahr. Um eine Entscheidung zu treffen, ob die Wärmepumpenheizung für das eigene Haus eine gute Wahl ist, sollten daher verschiedene Heizungssysteme für Neu- und Bestandsbauten näher betrachtet und bezüglich des benötigten Stroms für die Heizung miteinander verglichen werden.

  2. Wie viel Strom verbraucht die Luftwärmepumpe?

    Die Luftwärmepumpe verbraucht mehr Strom als andere Wärmepumpenarten, da sie die Umgebungsluft erst aufwärmen muss und zudem mit den in Mitteleuropa typischen Schwankungen der Außentemperaturen zu kämpfen hat. Wichtig ist bei einer Berechnung des Stromverbrauchs die Jahresarbeitszahl, die das Verhältnis zwischen eingesetztem Strom und erzeugter Heizenergie darstellt.Bei einer Luftwärmepumpe liegt die JAZ zwischen 2,4 und 2,8. Eine Kilowattstunde Strom und zwei Kilowattstunden Luftwärme werden gebraucht, um am Ende drei Kilowattstunden nutzbarer Energie zu haben. Ist der Wert tiefer, sollte ein Installateur die Heizungsanlage kontrollieren. Eine Luftwärmepumpe verbraucht in der Regel bei einer Heizleistung von 10.000 kWh rund 3.800 kWh Strom.

  3. Was kostet eine Wärmepumpe an Strom?

    Von wegen, teurer Wärmepumpenstrom! Eigentlich sind Wärmepumpen im Betrieb die günstigsten Varianten der Heizung und benötigen nur rund 400 bis 1000 Euro (je nach Dimensionierung) an Stromkosten. Zum Vergleich die Kosten für ein Einfamilienhaus bei einer Wohnfläche von ca. 200 m²: Hier belaufen sich die Kosten allein für das Öl im Jahr auf rund 3000 Euro!Dennoch sind Wärmepumpen im Vergleich teurer, weil verschiedene Aufschläge dafür sorgen, dass sich der Preis erhöht. Strom für Wärmepumpen kostet derzeit rund 21,92 Cent pro kWh, was deutlich mehr ist, als für fossile Heizenergieträger anfällt. Die staatlich regulierten Bestandteile der Preise fallen bei den fossilen Heizenergieträgern nämlich nicht an, machen aber rund 70 Prozent des Preises aus.

  4. Was kostet eine Kilowattstunde Strom für eine Wärmepumpe?

    Eine Kilowattstunde Strom kostet für eine Wärmepumpe derzeit ca. 21,92 Cent. Die genauen Preise variieren je nach Anbieter, sodass der oben bereits erwähnte Vergleich unbedingt anzuraten ist. Ein Wechsel kann vor allem nach der Strompreiserhöhung erfolgen.

  5. Wie lange läuft eine Wärmepumpe pro Tag?

    Bei der Bestimmung der Randbedingungen für die Wärmepumpe sollte auch berücksichtigt werden, wie lange die Pumpe am Tag läuft.
    Eine Wärmepumpe macht aus einer Kilowattstunde Strom rund drei Kilowattstunden Wärme. Ein Elektroheizstab bewirkt bei gleichem Stromverbrauch nur eine Kilowattstunde Wärme und hat bei einer Wärmepumpe mit 12 bis 14 kWh Leistung eine Eigenleistung zwischen sechs und neun Kilowatt.Die Wärmepumpe läuft ungefähr zehn Stunden am Tag, der Elektroheizstab schaltet sich oft zusätzlich mit ein. Hier hilft nur eine Sicherungsautomatik, die den Heizstab abschaltet und den Stromverbrauch damit herabsetzt.

  6. Was kostet die Wärmepumpe im Jahr?

    Verschiedene Arten von Wärmepumpen kosten auch unterschiedlich viel in Bezug auf die Anschaffung und hinsichtlich der Betriebskosten.Die Sole-Wasser-Wärmepumpe mit Erdsonde ist die teuerste Variante und steht damit an der Spitze: Bis zu 27.000 Euro kostet sie in der Anschaffung. Dafür verursacht sie weniger Betriebskosten als andere im Jahr, diese belaufen sich nur auf etwa 1100 Euro.Die gleiche Variante der Wärmepumpe mit Erdkollektor hingegen kostet nur bis 16.000 Euro in der Anschaffung und liegt in den Betriebskosten pro Jahr nur rund 50 Euro über der Wärmepumpe mit Erdsonde.Weitaus weniger verbraucht aber die Wasser-Wasser-Wärmepumpe, die bei etwa 900 Euro im Jahr liegt, dafür rund 23.000 Euro Anschaffungskosten verursacht.Die günstigste Variante ist die Luft-Luft-Wärmepumpe, zumindest bezogen auf die Anschaffungskosten.Diese belaufen sich auf etwa 11.000 Euro im Jahr. Die Betriebskosten sind dafür hier vergleichsweise hoch und Hausbesitzer müssen mit etwa 1.600 Euro im Jahr rechnen.Ähnlich gelagert ist die Luft-Wasser-Wärmepumpe mit Anschaffungskosten von 16.000 Euro und jährlichen Kosten von 1.650 Euro für den Betrieb.

Über Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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